Blog - Torii–Japanisches Schreintor
10. Mai 2026

Ein neues Myōjin-Torii (明神鳥居) entsteht!

Heute ist es wieder so weit: Ich beginne mit dem Bau eines neuen Torii. Wie bei jedem meiner Projekte steht zuerst der Einkauf des passenden Holzes an. Dafür fahre ich zu meinem Holzhandel vor Ort und suche sorgfältig die schönsten und geeignetsten Hölzer aus. Zurück in meiner Werkstatt betrachte ich jeden einzelnen Balken genau und lege fest, welche Position er später am Torii einnehmen wird.

Als Erstes fertige ich die beiden Hashira (柱) an – die senkrechten Pfosten, die das Tor tragen. Dafür kürze ich die Balken zunächst auf das genaue Maß. Um besonders feine und saubere Schnitte zu erhalten, arbeite ich mit einer japanischen Zugsäge, die mir präzise Schnitte ermöglicht. Anschließend fertige ich die beiden Zapfen an, die später in das Shimaki (島木) eingesetzt werden. Das Shimaki ist der obere Querbalken, der auf den Pfosten aufliegt. Sobald die Zapfen ausgearbeitet sind, stemme ich die benötigten Blätter in die Pfosten. Diese dienen dazu, das Nuki (貫) aufzunehmen und zu fixieren – den unteren Querbalken, der horizontal zwischen den Pfosten verläuft und die Konstruktion miteinander verbindet.

Sind beide Hashira fertiggestellt, widme ich mich dem Shimaki. Auch hier bringe ich das Holz zuerst auf die richtige Länge und beginne anschließend mit der Ausarbeitung der beiden Zapfenlöcher für die Hashira. Dafür verwende ich Holzhammer und Stemmeisen – ganz wie die Zimmerleute vor vielen hundert Jahren. Danach folgt die Feinarbeit: Schritt für Schritt passe ich Zapfen und Zapfenloch exakt aneinander an, bis beide Verbindungen perfekt sitzen.

Nun ist das Nuki an der Reihe. Wie bei allen anderen Bauteilen säge ich zunächst das Holz auf Länge zu und arbeite anschließend die passenden Gegenstücke für die Holzblätter aus, damit die Verbindungen sauber und passgenau ineinandergreifen. Auch hier arbeite ich ausschließlich mit Holzhammer und Stemmeisen und nehme Stück für Stück Material ab, bis alles exakt passt.

Anschließend setze ich alle Bauteile probeweise zusammen und überprüfe die exakte Lage sowie sämtliche Maße. Wenn alles stimmig ist, fertige ich den Gakuzuka (額束) an – eine kurze senkrechte Stütze zwischen Shimaki und Nuki, an der häufig eine Inschriftentafel befestigt wird. Dieser sitzt mittig zwischen den beiden Hashira und wird ebenfalls mit jeweils einem Zapfen oben und unten fixiert. Dabei achte ich besonders auf saubere Übergänge und bündig abschließende Holzverbindungen.

Zum Schluss fertige ich noch das Kasagi (笠木) an – den obersten, sanft geschwungenen Querbalken, der auf dem Shimaki sitzt. Hier kommt zum ersten Mal ein elektrisches Werkzeug zum Einsatz: Um den geschwungenen Verlauf sauber auszusägen, verwende ich eine Akkubandsäge. Danach wird das gesamte Torii noch einmal vollständig zusammengesetzt, um alle Verbindungen und Maße zu kontrollieren. Falls nötig, arbeite ich einzelne Stellen noch einmal nach. Ist dieser Arbeitsschritt abgeschlossen, werden sämtliche Oberflächen sorgfältig geschliffen und anschließend nach den Wünschen des Kunden gestrichen.

Dann beginnt für mich der schönste und zugleich erfüllendste Teil meiner Arbeit: der Aufbau des Torii beim Kunden vor Ort. Nachdem viele Stunden sorgfältiger Handarbeit, Planung und traditioneller Holzverarbeitung in jedes einzelne Bauteil geflossen sind, erhält das Torii nun seinen endgültigen Platz. Vor Ort fügt sich alles zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen und das Torii beginnt, seine besondere Wirkung zu entfalten. Für mich ist es jedes Mal ein besonderer Moment zu sehen, wie aus einzelnen Hölzern ein Tor entsteht, das dem Garten Ruhe, Atmosphäre und eine ganz eigene Ausstrahlung verleiht. Von diesem Augenblick an wird das Torii zu einem festen Bestandteil seines neuen Umfelds und verzaubert den Garten mit seiner Präsenz und seiner traditionellen Ästhetik.

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